NATUR

&

WELT

 

NOCTURNE

 

Dämmerung

löscht die Farben aus,

des Tages Melodie

von Stille übertönt –

stumm grauschwarz

duckt sich das Dorf

in seine Gassen

 

Dunkelheit

dreht ihre erste Runde,

verriegelt die Welt -

ein Steinkauz

eine Parklaterne

 

halten sie auf Stand-by

(Februar 2017)


SOMMERWIESEN-POUSSADE

 

Rote und gelbe und blaue Sprenkel

Getupft oder getröpfelt

Inmitten des weiten Grüns

 

Doch beim ersten Lufthauch

Winden sie sich

Recken sie sich

Wie aufreizende Samba-Tänzerinnen

Im Rausche entflammt

 

Und schon kreist ein Feuerfalter

Seine Runden, seine Kreise

Segelt hernieder

Zu einem flüchtigen Flirt

Einem Kiss-and-fly

(Juli 2015)

 

SO NÄCHTLICH

(Tanka)

 

Die letzten Wolken,

Sie geleiten den Abend

In den Bau der Nacht

 

Dem ersten Morgennebel

Entquillt er als neuer Tag

 

(März 2015)

 

RE.GEN.TROP.FEN

 

k.ulle.rn am fe.nste.r

jed.er se.inen e.igen.en we.g

fi.nden zus.amm.en

we.rd.en

dick.er

ku.ller.n

s.chn.ell.er

fa.llen

ab

 

r.eg.ent.ro.pfen

drü.cken si.ch an die sch.eib.e

perl.engl.itze.rnd

sch.aue.n zu mir her.ei.n

und tu.scheln

stol.zgesch.wellt:

da schreibt wer über uns ...

(Februar 2015)

 

(schnee-impressionen)

 

1.

weiß erstreckt sich knirschend über flur und land /

so behäbig so breit / blinzelt nur ab und zu /

von sich selbst geblendet

 

2.

weiß auch der kleinste strauch /

flocke setzt sich auf flocke / ertastet die balance /

als seiltänzer über den grazilen zweig

 

3.

weiß allerorts / bewacht winter und ruhe /

auf großstadt-dächern / auf den hütten der dörfler /

rundet alles irdische ab

 

(Februar 2015)


ECHO

(Haiku)

 

So beruhigend

Berge, Schluchten und Natur

Alles ist noch da

(Januar 2015)

  

STURM-EPILOG

 

noch außer atem

torkelt

die natur,

von ihrer mutprobe

ernüchtert -

besieht sich

die abgeknickten zweige

den sperling

die magnolie

so verschüchtert –

raunt

ganz profan:

sorry, war bekloppt,

’s tut mir echt leid ...

 

(November 2014)

 

WENN ES ABENDDÄMMERT ...

 

Die Wilde-Weinberg-Tulipa

Vom Tage erschöpft

Schon längst

Ihren Kelch

Geschlossen Verriegelt

 

Der letzte Käfer

Vom Tage geschafft

Auf  Heimweg

In sein Grasbüschel

Sein Obdach Seinen Schlupf

 

Sonne,

Kannst getrost und ruhigen Gewissens

 Den Kosmos  Die Infinitas

Der Nacht überlassen

(Mai 2014)

 

DAS SPINNENNETZ

 

Über Rittersporn Mariendisteln

Schwebte ein Gedanke

Gedankenversunken,

Verhakte sich zwischen Schlehdorn

In eben diesem Kunstwerk

Der filigransten Architektur

 

Aranea Diadema

Empfing ihn mit Silber und Seide

Den unverhofften Gast

Und tautropfen-beperlt fühlte sich dieser

Regenbogenfarben umwoben

Wiegte sich mit in jedem Lufthauch

Erlebte gleich das Balzen eines Amants -

Das leise Anzupfen als Liebesritual

 

Oh Aranea Diadema,

Raunte der Gedanke

Ihr noch schnellstens zu,

Mit deiner Seide deinen Perlen

Deinem Glitzern und eingefädeltem Kokettieren

Verspinne ich mich demnächst

In umsponnene Poesie ...

(Januar 2014)

 

NACH WESTEN HIN

  

zwischen masten der segelschiffe / über

rötlichem gebirgsschnee / in des meeres müden

 

letzten meereswogen / auf unendlich weiten

puszta-steppen / hinter kanarischen palmen oder

 

nur durch diese scheunenluke, der dürftigen

belanglosen entlegenen ---

 

abend für abend erkürt sich die sonne

den malerischsten ort

zu ihrem abgesang,

abend für abend ein opus magnus

(Januar 2014)

 

UNKRAUT

  

So nennt man dich

Entwürdigend

Verpönend

Nur weil du dich mal trautest

Und inmitten Hyazinthen

Forsythia Rhododendron

Da stehst

 

Wüchsest du aber

Auf Asphalt und Beton

Käme manch Maler mit Staffelei

Ja der Regen regnete sogar

Nur für dich

 

(November 2013)

 

DER BAUMSTUMPF TRÄGT SCHWARZ

  

Warum?

Bäumt sich das Ahorn-Holz

Beim ersten Beilschlag

Das Holz

Das gestern noch stolz

Kräftige Äste trug

Mit pubertierendem Gezweig

 

Warum nur?

WARUM?

Doch das Meutern erstickt

In des Henkers Kettenzähnen

Und die Jahre der Jahresringe

Wirbeln in Spänen

Umher

(November 2013)

 

LASS MIR MEINEN SCHREBERGARTEN

 

Ich brauche keine hohe Felsenwand, bedarf des

tiefsten Canyons nicht, auch wenn der Blick sich

labt, das Echo noch so majestätisch weitum widerhallt.

 

Lass mir nur meinen Schrebergarten, fernab allen

Stadtgetöses, wo Mondänität sich arg in Hektik bündelt,

schnöder Mammon jedermann als Geisel nimmt.

 

Laube, Beet und eigne Scholle kann hier Leben neu

erwecken - Uhren ticken nach Gemächlichkeit, sogar das

Licht ist anders als sonst wo, ich glaube mehr per Du.

 

Bis Sonnenuntergang lass hier mich Klee, Akazien, Flieder

wachsen hören, über Wolkenformen lachen, im vertrauten

Zwiegespräch mit Kohlmeise, Libelle und mir selbst.

 

So brauch ich keinen Mammon und bedarf des weiten

Echos nicht - lass mir nur meinen Schrebergarten, Insel,

Klause, kärgliches Stück Universum, doch für mich allein.

 

 

 

(Oktober 2013)

 

MAN MÜSSTE MAL WIEDER

 

Steine in den See werfen

      - ob sie noch immer Kreise ziehen?

 

Laut in die Berge rufen

      - ob das Echo noch immer antwortet?

 

Einfach nach oben schauen

      - ob die Wolken noch so flockig dahinschweben?

 

Man müsste mal wieder

Ja, man müsste mal ...

(September 2013)

 

SCHLAFTRUNKEN, DIE WELT 

 

Aus der Trauerweide hallt sie noch nach

Die Stille der Nacht

Der Morgen zögert

Traut sich nicht

Aus dem welken Laub von gestern

Zu jung

Zu unerfahren

 

Mit Grandezza stehen sie Wache

Auroras letzte Nebelschleier

Und keck in die Sonne

Blinzeln ihre Tautropfen

Auf Blättern Blüten und Grashalmen

 

Erste Schritte

Irgendwo

 

Der Tag ist wach

(August 2013)