ALLE JAHRE WIEDER EIN JAHR

 

... so ein Quantum Zeit

von

365 d 5 h 48 min 45,261 s

resp.

365,24219052 Tage

d.h.

in der Dicke

ca. 21-35 mm Abreißkalender

oder

vereinfacht & gerundet

das Stück Leben

zwischen

Wiener Radetzky-Marsch

und

 

Dinner-for-One

(Januar 2018)

 

DIESES UND JENES

(Klapphornverse)

 

Es streiten zwei der Zehn Gebote

Sich wegen ihrer Einschaltquote:

Das 6. gibt nicht so viel her,

Das 8. demnach um so mehr.

*

Ein dufter Ausschnitt-Tattoo hat

Die Blicke und die Sprüche satt

Ein anderes, ein Arschgeweih,

Dem geht das einfach da vorbei.

*

Ein Fragezeichen fragte sich:

Warum, zum Teufel, gibt es mich?

Somit war auch ein zweites da

Und sprach zu ihm: Jetzt weißt du’s ja!

*

Dann zwei Gerüchte in der Patsche ...

Das erste war rotzfrech’ Geklatsche,

Das zweite dementierte man –

Hier war wohl etwas Wahres dran.

 

(Dezember 2017)

 

REIFE-ÄPFEL-LYRIK

(Limerick)

 

... und der Dichter sucht voller Entzücken

ein gehob’neres Wort als nur „pflücken“,

er sucht ohne Verzagen

während Wochen und Tagen

und dann hat er’s gefunden: „sich bücken“ !

(September - 2017)

 

BRUMMSCHÄDEL-LITANEI

 

Mit halbem Auge erwacht die Welt,

Flau der Magen,

Der Rachen verdorrt.

 

Heiliger Brummschädel,

Brumm für uns!

 

Blende und Belichtungszeit -

Sadistisch quält die Qual!

Ja, wer löscht denn mir die Sonne aus?

 

Heiliger Brummschädel,

Brumm für uns!

 

Das Rundherum schwillt an,

Jeder Gedanke schmerzt einzeln-

Und wäre er auch nur in schwarz-weiß gedacht.

 

Heiliger Brummschädel,

Brumm für uns!

 

Sie wummert im largo, die dritte Halbzeit,

Hackt und pocht,

Was das Staccatissimo hält.

 

Heiliger Brummschädel,

Brumm für uns!

 

Es katert zwischen Filmriss und Rollmöpsen,

Schluckst so säuerlich

Nach Absacker und letztem Bier.

 

Heiliger Brummschädel,

Brumm für uns!

 

Spiel jetzt intellektuell und nenn es Hangover

oder zeitverzögert alkoholinduziert -

mir ist einfach nur unter-aller-Sau-speikotzübel!

 

 

AMEN

 

(August - 2017)

 

KLOSTERNACHT

(frei nach „Mondnacht“

 von Joseph Freiherr von Eichendorff / 1788 – 1857)

 

Es war, als hätt’ der Pater

Die Nonne nur geküsst,

Damit sie abends immer

Von ihm nun träumen müsst’.

 

Der Mond schien durch die Luke,

Die Kerze wogte sacht -

Es lauschten leis die Wälder,

So prickelnd war die Nacht.

 

Und eine Taube* spannte

Flugs ihre Flügel aus
Und hoffte, sie bleibt heute

Mal aus der Nummer ’raus ...

 

 

(* in der christlichen Kunst Symbol des Heiligen Geistes /

Jungfrauengeburt „empfangen durch den ....“)

 

 

 

Mondnacht

(Joseph Freiherr von Eichendorff)

 

Es war, als hätt' der Himmel

Die Erde still geküßt,

Daß sie im Blütenschimmer

Von ihm nun träumen müßt'.

 

Die Luft ging durch die Felder,

Die Ähren wogten sacht,

Es rauschten leis die Wälder,

So sternklar war die Nacht.

 

Und meine Seele spannte

Weit ihre Flügel aus,

Flog durch die stillen Lande,

Als flöge sie nach Haus.

(Mai 2017)

 

REEPERBAHN-NONSENS

 

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins,

Ob du’n Mädel hast oder auch keins –

Auf der Reeperbahn nachts um halb zwei,

Ob du zwei Mädels hast oder auch drei –

Auf der Reeperbahn nachts um halb vier,

Ob du vier Mädels hast oder  ---  (nein hier,

Hier klappts nicht mehr, es weiter zu schaffen,

Bei fünf strecken wir beide die Waffen ...)

 

(Januar 2017)

GERICHTSVOLLZIEHER-LIED

(nach „Der Mond ist aufgegangen“ / Matthias Claudius)

 

Mein Geld ist ausgegangen,

Die Mahnungen, sie prangen,

Im Briefschlitz klipp und klar –

Das Haus steht starr und schweiget,

Und aus den Treppen steiget

Der Pleitegeier und will bar.

 

Wie ist die Welt so stülle

Und in der Leere Hülle

Mir so vertraulich-hold!

Drum sucht in meiner Kammer,

Was ihr bei all dem Jammer

Gerichtlich noch vollziehen wollt.

 

Da staunt ihr denn, ihr Brüder,

Und kratzt die Kurve wieder,

Von Bimbes nicht ein Hauch -

Verschon’ mich, Gott! mit Strafen

Und lass’ den Kuckuck schlafen!

Und meine leeren Konten auch!

 

 

Abendlied

(Matthias Claudius)

 

Der Mond ist aufgegangen,

die gold'nen Sternlein prangen

am Himmel hell und klar.

Der Wald steht schwarz und schweiget,

und aus den Wiesen steiget

der weiße Nebel wunderbar.

 

Wie ist die Welt so stille

und in der Dämmrung Hülle

so traulich und so hold!

Als eine stille Kammer,

wo ihr des Tages Jammer

verschlafen und vergessen sollt.

 

(...)

 

So legt euch denn ihr Brüder,

in Gottes Namen nieder;

kalt ist der Abendhauch.

Verschon' uns, Gott! mit Strafen

und lass' uns ruhig schlafen!

und uns'ren kranken Nachbarn auch!

 

(Januar 2016)



IN DER STILLE DER NATUR ...

 

... sitzet man und höret nur

des Spechtes

Hämmern,

der Blaumeise

Tschilpen,

das Bienengesumme

zum Nektar hin,

des nahen Baches

anheimelndes Geplätscher,

das Lüftchen

im Erlen-Laub

und meinen Tinnitus

(Juni 2015)

 

KREUZPUNKT IN ABSURDISTAN

 

Die

Welt

rotiert

dem

Uhrzeigersinn

entgegen -

ja,

und

deswegen

sitzt

sie

allabendlich

bei

mir

in

Buslinie 12,

diese

Japanerin

mit

ihrer

Morgenstulle

(März 2015)

 

GOOD NIGHT, MISS SOPHIE !

(„Dinner for One“-Nachspielzeit)

 

... und somit ging er hoch mit ihr

Zur last procedure dieses Festes,

Er sprach zwar noch as every year:

„Yes, I will do my very Bestes!“

 

Doch oben da gestand er scheu:

„Sir Toby, Admiral von Schneider,

„Auch Winterbottom, Pommeroy -

„Puuuh ...

„They are all at home schon – leider.“

(Dezember 2014)

 

DIE STRICHE AUF DEM BIERDECKEL

  

Die zähl’ ich des Abends

Vor dem Kneipe-Nach-Hause-Gehen:

Sie schlägt mich

Sie schlägt mich nicht

Sie schlägt mich

Sie schlägt mich nicht

Sie schlägt mich

Sie schlägt mich nicht

...

...

...

Bei ungerader Zahl trink’ ich einen dabei -

Bei gerader Zahl, komm, dann eben noch zwei!

 

(August 2014)