DIES und DAS

2014

 

SPIEL MIR DAS LIED VOM SALOON

 

Es riecht nach Whiskey und einer Handvoll Dollar,

Nach High-Noon, nach dem letzten Showdown –

Und John Wayne, er sattelt noch immer sein Pferd

 

Once upon a time ...

 

Goldsucher, Sheriffs vor dem Wanted-Plakat,

Am goldenen Zapfhahn Bandoleros und Dirnen -

Und das Honky-Tonk-Klavier ist noch immer verstimmt

 

Once upon a time in the west ...

(Dezember 2014)

 

 

GESELLSCHAFTSSPIEL

  

Lauf nur, lauf, lauf!

Getuschel Getratsche / dieser Atem im Nacken /

alle werden sie durchgehechelt / lustvoll

ausgeweidet / mit dem Skalpell so sinnlich ziseliert

 

Lauf nur, lauf, lauf!

Es wimmelt von finsteren Mächten / Verschwörung

Heckenschützen geilen sich hoch / ja, alle sind

heute Freiwild / zur großen Hatz, zum HypeEvent

 

Lauf nur, lauf, lauf!

Flucht vor dem Ich / Flucht in den Wahn /

und selig die Mäuler, die sich zerrissen

haben / in dieser ihrer seligmachenden Onanie

 

(November 2014)

 

SANKT PROPHYLAXIUS

(Schutzpatron aller Hobbyisten)

 

Das Sich-so-beflügeln

Zügeln

 

Das Sich-so-begeistern

Meistern

 

Denn aus Sucht und Süchten

Flüchten –

 

Mitnüchten!

(Oktober 2014)

 

LEBENSPLAN

 

Zuerst mal den Grundriss

Im Groben skizziert

 

Ihn dann auf dem Reißbrett

Haarscharf detailliert

 

Noch architektonisch

Perfektioniert -

 

Und doch in der Statik

Sich verkalkuliert ...

(September 2014)

 

DER MANN IM WEIßEN BADEMANTEL

  

* Und immer, immer wieder wird es Nacht, Senorita,

Und immer wieder sagt dir mein Klavier, was ich will:

Dir danken, Chérie, für den Abend,

DICH FÜHLEN, BLONDES HAAR, wenn der Morgen erwacht /

Und du fliegst mit mir

Irgendwohin, in die fernste Ferne,

Denn kein Meer ist so wild,

Keine Sonne so hautnah,

Wie die Liebe, die LEIDENSCHAFT, die uns trägt

 

* In die fernste Ferne - ihr werdet euch noch wundern,

Ihr, am Stammtisch im Eck in der Konditorei,

Ihr, von oben, von unten, von nebenan,

In diesem ehrenwerten Haus,

Wo es neonhell nach SPIEßIGKEIT riecht /

Nur einmal zu deinen Gitarren, Argentina,

Einmal zu der Musik, die auf den Gehsteig klang,

So fremd und südlich /

Denn heute beginnt es,

Das Mitten-im-Leben, das JETZT-ODER-NIE !

 

* Doch die Welt, ein Café GRÖßENWAHN,

Hat auch der Teufel gemacht,

Mit Grüßen aus der Hölle auf dem sinkenden Schiff /

Und die Krone der Schöpfung,

Sie sah auf die Uhr:

FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF !

„Willkommen lebe das Laster“

„Beim letzten Tanz auf dem Vulkan!“

 

* Und immer, immer wieder geh ich ans Klavier,

Werde da sein, verdammt zur Revolte,

Dieser TRAUMTÄNZER, der ich bin /

Höre auf den Mann mit dem Fagott

Und singe das Lied, das nie zu Ende geht

Bis ans Ende meiner Lieder ...

 

(September 2014)

 

SELBSTSUCHT

  

Gerackert & gemalocht

Für die andern

 

Geknausert & geknapst

Für die andern

 

Auf Abruf bereit & durchgehend geöffnet

Für die andern

 

Bis dann endlich

ENDLICH

Endlich einmal etwas für mich selbst,

So haarsträubend eigennützig

 

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(... in stiller Trauer nehmen wir Abschied ...)

 

( Juli 2014 )

 

ABER WEN INTERESSIERTS' SCHON ?

  

Ich erinnere mich

an unsere Nachbarin, die Antonella, die beim Wäsche-

Aufängen immer Adriano Celentano sang

 

Erinnere mich

an das „Himmel-Arsch-und-Zwirn“ der anderen,

wenn ihr Dicker bierselig heimgetorkelt kam

 

Erinnere mich

an das Mottengift in den Messdiener-Gewändern

und an das Ritual des Samstagabend-Bades

 

Erinnere mich

an den Stromer bei der Litfaßsäule,

und an das Glühen im Gesicht bei jeder kleinsten Lüge

 

Erinnere mich

an Nscho-tschi, Winnetous schöne Schwester,

an Kaulquappen und an den Wasserhahn,

der gefühlt ewig vor sich hin tropfte

 

Erinnere mich

an das Chloroform bei der Blinddarm-Operation,

an die steile Holztreppe zum Speicher

und an die Fingernägel mit Trauerrand

 

Erinnere mich

an die Erdbeereis-Kugel, die zu Boden fiel,

an die behagliche Unordnung in meinem Zimmer,

an den Straßen-Akkordeonisten, dem ein Finger fehlte

 

Erinnere mich

an Pipo, unseren Kanarienvogel,

an den überfüllten Wartesaal beim Zahnarzt,

an das Quieken der Säue vor dem Abgeschlachtwerden

 

Erinnere mich

an die Backpfeife unseres Lehrers,

konnten wir doch die Mädchen in ihren Röcken

überreden, Purzelbäume zu schlagen

 

Erinnere mich aber auch

an die spätere Genugtuung :

150x4 =700 !

und er merkte den Fehler nicht ...

 

Nun ja, wen interessiert’s schon?

Aber ich,

Ich erinnere mich!

(Juni 2014)


WIE IN DER ZIRKUSLUFT ...

 

... die Pferde riechen,

Das Heu atmen

Will ich.

Das Ohne-Netz-und-doppelten-Boden

Selbst erzittern dürfen.

Mit dem Ekstatischen der Ekstase

Auf du und du.

 

Life

Ist nicht aus zweiter Hand.

Life

Kennt kein Double.

LIFE LIVE

Ist das Hier und Jetzt.

Dieses HIC ET NUNC.

Am Puls der Trapezkünstler.

Löwendompteure. Clowns.

 

(Mai 2014)


WAS EINST MIT GLUT UND VERVE

 

Passionen und Elan entstehen

Passionen und Elan geschehen

 

wichtig

wichtiger

am wichtigsten

 

Passionen und Elan geschehen

Passionen und Elan vergehen

 

nichtig

nichtiger

am nichtigsten

(April 2014)

 

DE GUSTIBUS ...

 

DreigroschenRomane oder Dostojewski

Richard Wagner oder VolksMusikanten

Döhner oder Cuisine Française

Dies oder so oder da –

 

.... non est disputandum!

 

Denn mit meinem IchBin

Ist niemand anders,

Niemand

Außer mir!

 

Quod erat demonstrandum!

(März 2014)


AUF IDENTITÄTSSUCHE

 

Anonymus

War mir als Pseudonym

Des Incognito noch nicht genug

Denn anonym

Kann ein jeder sein

Also auch ich

 

So probiere ichs mal

Unter richtigem Namen

 

(März 2014)

 

DA CAPO

 

  Gestern schon

Ein Déjà-Vu

 

Heute

Das Idem von gestern

 

Morgen

Das Copy&Paste von heute

 

Übermorgen

Ein Durchschlag der ganzen Woche

 

... und urplötzlicher

bohrender stechender

Zahnschmerz

avanciert zum Highlight des Lebens!

 

(Februar 2014)

 

CARPE DIEM !

 

Zwischen Hebamme und Totengräber

Arbeitet der Uhrmacher

Unaufhörlich

Unermüdlich

Am Räderwerk der Jahre

Am Pendel der Zeit

 

Denn blättert dein Zifferblatt auch ab

Die Zeiger trotzen jeder Erosion

Die Zeiger drehen weiter

60 Minuten für eine Stunde

24 Stunden für einen Tag ---

 

Was?

Nur?

 

Na und? 

Trotzdem immerhin!

 

(Januar 2014)