DIES und DAS

2013

 

 

FLASHMOB DER NOTEN

  

Da hocken sie

In Dur und Moll

Wie Spatzen auf Ästen und Gezweig

Hängen und krallen

Wie Regentropfen am Zaun

Geduckt

Im Dickicht der Akkorde

 

Da harren sie

Manche schon Jahrhunderte

Reglos

Starr

In stummem Schweigen -

Doch erblicken sie den Taktstock

Erzaubert sich

Wie aus Geisterhand

Musik

 

 

(November 2013)

 

ACH, BESCHEIDENHEIT, DU ...

 

... bist mir als Tugend

Die höchste die heiligste

 

Aber wo ich auch stehe

Wohin ich auch gehe

Und wie ich mich drehe

Bin gerade ich

Nun genau eben dieser Ich

Immer und überall

Schnittpunkt

Von Norden und Süden

Von Westen und Osten -

 

Also trotz aller Bescheidenheit

Doch Nabel der Welt

 

(November 2013)


IRGENDWANN

MUSS ES GUT SEIN

 

Genug

Des Adrenalins

Des Perfektionistischen

Genug

Der ewigen Fragezeichen

Der Kleinkrämerei

Des Par force et Partout

 

Irgendwann muss es gut sein

Abgehakt Punkt

Unterschrieben

BESTENS


(November 2013)

 

BURNOUT DER GUTGLÄUBIGKEIT

 

Ausgebrannt hat es

Ausgebrannt ist es

Das blinde Vertrauen -

Denn an dem überhasteten

Jäh voreiligen

IchLegFürDichDieHandInsFeuer

Werde ich mir bei Gott

Die Finger

Nicht mehr verbrennen

 

(November 2013)

 

TRADITIONEN 

 

... sind Traditionen

Weil sie traditionnell

Seit jeher

Traditionen waren

 

Doch gehe hin

Wirf die Krusten des Antiquierten ab

Den Grünspan der Volkstümelei

Gehe hin

Style sie mit dem Look à la mode

Gib ihnen des Zeitgeistes Air und Kolorit

 

Nur so erhält das Herkömmliche

Seine Haltbarkeit

 

(Oktober 2013)

 

FRÜHER WAR ALLES BESSER

 

War auch alles höher,

Weil wir niedriger -

Alles dicker,

Weil wir dünner -

Alles spießiger

Weil wir 68-er

 

Früher dauerte die Zeit viel länger,

Sogar der Schnee war weißer

Und lag überaller

 

(Oktober 2013)


GEERDET

 

Wie Kinderdrachen

Quirlen

In der Morgenluft

Bunt und frei

Die Gedanken umher

Je nach Laune des Windes

Und hoch

In immer höhere Sphären

Mit der Thermik der Phantasie

 

Doch zum Glück

Hat mich mein Hund

An der Leine


(Oktober 2013)

 

GERÜCHTE

 

Kläffende Hunde

Laufen hinterher

Kläffen und keifen

Zetern und zerren

Gerüchte sind flinker

Allzeit voraus

Pflastern den Weg

Konspirativ und dämonisch

Wie Hydra und Sphinx

Hinterhältig zerstümmelnd

Wie Megaira, die Furie

 

Noch in stockfinsterner Finsternis

Werfen ihre Schatten

Noch Schatten in die Nacht

Und die Kläffer

Die keifenden die zerrenden

Sie schlafen schon lange

 

(Oktober 2013)

 

DISPUT

 

Ich bin die Frage

Du bist du Gegenfrage

Die Antwort steht in den Sternen

 

Ich bin die Rede

Du bist die Widerrede

Noch immer kein Land in Sicht

 

Ich bin das letzte Wort

Du bist das letzte Wort

Ich

Du

ICH

DU

ICH

DU

 

Heute Abend wird es spät Nacht

 

(September 2013)


NUR EINMAL RUHETAG

  

einmal möchte ich abschalten die voll-

power-überholspur auf eis legen nicht nur

auf sparflamme oder standby nein stecker

raus am hamsterrad den anker werfen

 

einmal möchte ich abspannen mich am

straßenrand aussetzen terminplaner den

piranhas zum fraß vorwerfen einmal tote hose

im kopf rien-ne-va-plus auf dem display

 

einmal möchte ich abschalten den letzten

elfmeter verschießen ein zwei bier zapfen mich

in die hängematte legen unter mir die seele

baumeln lassen habe heute geschlossen

BIN DESAKTIVIERT


(September 2013)



IM NAMEN DER GLAUBWÜRDIGKEIT

  

                                                                                  Bist du Frank Sinatra

                                                                                              Singe immer

                                                                              Von New York, New York

                                                               Und seinen Strangers in the Night

 

                                                                                    Bist du Possenreißer

                                                                                                    Halte nie

                                                                Eine Trauerrede am offenen Grab

 

                                                                      Denn die Brille deiner Umwelt

                                                                                                    Hat stets

                                                                                 Die gleichen Dioptrien


(September 2013)


KOMM, KUMPEL

  

komm kumpel ziehen wir einmal noch

durch dick und dünn kumpel wie einst pech und

schwefel komm machen wir einen auf jungen

hecht auf den tollen reißen lady und ladies auf

komm kumpel setzen wir noch einmal alles

auf rot auf jungen hecht zwar liegt sie hoch die latte

für pech und schwefel doch wir haben sie ja selbst

die Latte haben wir selbst anno dazumal so hoch

gelegt reißen alle auf und alles auf rot

 

komm kumpel drehen wir noch einmal drehen

wir noch einmal ’ne runde durch die kneipen und

dick und dünn denn das letzte bier haben

wir schon oft getrunken

 

das letzte

doch das allerletzte

noch nie

 

(September 2013)

 

KOMPETENZGERANGEL

  

Es sagte einst das Substantiv

Zum kleinkarierten Adjektiv:

Dich bräuchte man nicht

Würde ich nicht sein!

 

Nun wehrte sich das Adjektiv

Beim arroganten Subjektiv:

Und wenn du mich nicht hättest,

Wie sähest du denn aus?

 

Da wisperte das Tuwort

Kleinlaut: 'tschuldigung,

Nur einfach so,

Aber was tätet ihr beide

Überhaupt

Ohne mich?

(August 2013)

 

  LANGZEITGEDÄCHTNIS

 

In Erinnerungen verloren

Verliere ich mich

Sogar am helllichten Tag

Auf gerader Strecke

 

Ich suche nach mir

In Busch und Gebüsch

Doch kann niemanden finden –

 

Aber Hauptsache: alles Erlebte

Wurde noch einmal erlebt

(August 2013)